Grenzen neu stecken
Im Garten meiner Schwester steht ein Pfirsichbaum in einem kleinen Gewächshaus, der hat sich an die Form, in die er - gut gemeint - gesteckt wurde, angepasst und steht unter dem niedrigen Dach gebeugt und eingeengt. Vor einigen Jahren konnte er sich da drin herrlich entwickeln, aber jetzt ist der Platz einfach zu eng geworden. Das kann jeder sehen - nur der Baum selbst sieht es nicht.
Ich glaube, ich bin der Pfirsichbaum. Vielleicht sind wir alle so ein Pfirsichbaum. Er lebt sein Leben, da wo er hingepflanzt wurde. Es ist ganz OK. Er trägt ja trotzdem Früchte, er ist nicht krank oder so. Nur nicht so frei, wie Gott sich das für Pfirsichbäume ursprünglich gedacht hat
Mein Alltag war die letzten neun Jahre schon ziemlich eingespielt. Ein Top-Gewächshaus.
Ab Herbst habe ich vier Stunden am Vormittag, die ich ganz neu füllen kann.
Ich freue mich voll darauf und gleichzeitig kommen viele Zweifel und Ängste daher.
Was ist eigentlich das Richtige für mich? Schaue ich einfach, was als nächstes kommt oder nehme ich meine Wünsche und Träume ernst und arbeite daran, sie zu verwirklichen?
Was, wenn ich versage?
Pflanzen gehen ein, wenn ihnen der Topf zu klein wird. Wenn man aber umgepflanzt wird, also die Grenzen neu steckt, dann schwebt man zuerst einmal in der Luft. Die Wurzeln liegen frei, völlig ungeschützt, Erde bröckelt ab. Man braucht Mut, Vertrauen und muss Loslassen. Das erleben wir alle viele Male in unserem Leben. Gehörst du zu denen, die es lieben, neues Land einzunehmen oder bleibst du lieber in der gewohnten Umgebung?
Ich bin schon ganz gut drin, über die Zäune der alten Grenzen zu klettern, aber vergesse dann, neue Grenzen zu stecken.
Vor kurzem habe ich es mal versucht und zwar, indem wir als Familie gemeinsam ein paar Regeln fürs Zusammenleben aufgeschrieben haben. Die Erarbeitung war sehr vielversprechend. Dann hörte ich, wie unser Jüngster Freunden amüsiert erzählt: "Wir haben aufgeschrieben: Wir gehen RESPEKTVOLL miteinander um. Dabei stimmt das gar nicht! Hahaha!" Hahaha. Es braucht auch Zeit und Kraft, die neuen Grenzen zu etablieren.
Ich bin dankbar, nicht alleine durch diese Prozesse zu gehen. Mir stehen Menschen zur Seite und vor allem Gott, denn wenn ich nicht mehr weiß, wer ich eigentlich bin, dann frag ich ihn. Er zeigt es mir und ermutigt mich.
"Ich werde dich nie verlassen und dich nicht aufgeben. Sei stark und mutig, denn du sollst meinem Volk zu dem Land verhelfen, das ich seinen Vorfahren versprochen habe."
(Josua 1,5-6)
In völliger Freiheit, haben meine Kinder und ich je ein Bild gemalt. Welches der zwei Bilder auf dieser Seite von wem ist und wer von uns jetzt eine neue Frisur hat, müsst ihr selbst erraten ;-)
Bis bald, eure Lena
PS: Wenn ihr passend zum Thema euren Kindern eine gute Geschichte gönnen wollt, dann empfehle ich "Tosender Wasserfall" in den Hallow Gute-Nacht-Geschichten oder "Xaver Wuschelkovsky in einer haarsträubenden Angelegenheit". Viel Spaß!
26.08.2025